Geheime Fifa-Pläne: Infantino wollte Ligaprojekt kapern
Gianni Infantino erhält von der Fifa volle Rückendeckung, doch ein neues Dokument enthüllt mutmaßliche Geheimpläne des Weltverbandes.
Super League-Projekt erneut ins Visier geraten
Nach einer Krisensitzung in Marokko bekräftigten der Fifa-Generalsekretär und die anwesenden Mitglieder der Fifa-Geschäftsleitung ihre uneingeschränkte Unterstützung für Fifa-Präsident Gianni Infantino. Dennoch löst ein Zeitungsbericht neuen Wirbel um den Fifa-Präsidenten aus. Es geht um ein Projekt, das vor einiger Zeit ebenfalls beerdigt werden musste: die Super League.
Wie der britische „Guardian“ berichtet, soll Infantino bei dem Projekt ein Millionengeschäft für den Weltverband gewittert haben. Die Pläne für die Super League hatten 2021 eine Welle der Empörung ausgelöst. Es war die Zeit der Corona-Lockdowns, Fußball wurde häufig nur vor leeren Rängen gespielt – dennoch zog es manchen Fan im April 2021 auf die Straße, um zu demonstrieren. Vor allem in England liefen die Anhänger Sturm.

Fifa-Branding und Exklusive Rechte
Laut „Guardian“ wollte offenbar auch die Fifa unter ihrem Boss Infantino von Anfang an bei dem Unterfangen mitmischen. Es gab bereits einen Vertragsentwurf, demzufolge die Super League das Fifa-Label aufgedrückt bekommen sollte. Infantino strebte demnach für die elitäre Veranstaltung ein sogenanntes Branding an, die Übernahme der Markenrechte an dem Projekt. Dafür wäre er laut der Zeitung auch bereit gewesen, die nationalen Mitgliedsverbände vor den Kopf zu stoßen und der Fifa exklusive Rechte an der neuen Liga sowie einen Teil der Einnahmen zu sichern.

Fifa-Klub-WM und Zweiklassengesellschaft
Von einer „mindestens zwölfjährigen Partnerschaft zwischen der Fifa und der Super League“ ist in dem Dokument die Rede. Vorgeschlagen wurde offenbar ein Joint Venture zwischen Weltverband und neuer Eliteliga, allerdings sollte die Fifa deren kommerzielle Aktivitäten leiten. Die Fifa stellte unter der Führung Infantinos in Aussicht, die Fifa-Klub-WM künftig jedes Jahr stattfinden zu lassen (anstatt alle vier Jahre) – und zwar als dreiwöchiges Turnier mit einer direkten Anbindung an die neue Super League. Die nationalen Mitgliedsverbände hätten bei der Verabschiedung des Plans außen vor bleiben sollen.
In dem Dokument wird zudem bestätigt, dass der Fifa „eine Vorzugsbeteiligung an der Super League gewährt“ würde, wodurch sie weitgehende Entscheidungsbefugnisse erhalten hätte. Unter anderem in Bezug auf Formatänderungen, Kalenderanpassungen, die Verteilung von Solidaritätsgeldern und die Ernennung eines Geschäftsführers für den Wettbewerb. Vor allem hätte sich die Partnerschaft bei der Erschließung neuer Einnahmequellen auf die Fifa selbst und die erfolgreichsten europäischen Klubs beschränkt. Vereine, die hingegen nicht zur Nomenklatura des europäischen Fußballs zählen, wären von den Geldtöpfen der neuen Wettbewerbe Super League und Klub-WM weitgehend ferngehalten worden.
